Essay Nr.7 – Das Meer

Essay Nr.7 – Das Meer.

Die Ewigkeit, gefangen im Augenblick. Ein Tropfen Sonnenlicht, verborgen in dünnem Faden.

Ein kleines Licht der Hoffnung in der Nacht. Die Kerze am Fensterbrett.

Sturm!

Der Wind heult, peitscht die Wellen, wütet.

Das Meer wehrt sich und sucht die Zuflucht – am Land.

Die Regenstreifen am Fensterglas laufen nicht mehr ab – sie fließen Seitwerts.

Weit draußen, in tosendem Meer – einsam und schutzlos, gegen die entfesselten Gewalten der Natur kämpfend – ein kleines, hilfloses Fischerboot.

Du siehst ihn nicht, aber Du weißt, dass er da ist. Und Du verstehst, wie gut es ist, das es Licht gibt.

Eine Kerze.

Den Leuchtturm.

Das Licht ist der Weg.

Und das Ziel…

Der Mensch, der für Dich alles ist – ist an Deiner Seite. Als der Storm sich schwächt, liegt ihr vor der Glastür auf dem Boden, schaut in die Sterne. Eine Flasche alten Wein, Kaminfeuer, das knistern des Holzes und leichter Rauchduft. Glück ist genügsam. Siehst Du den Stern? Den großen, oben links? Siehst Du ihn? Ich schenke ihn Dir. Und diesen Augenblick, wo ich die Zeit angehalten habe. Bewahre es, denn das ist alles, was ich habe. Alles, worauf es ankommt.

Ihr redet. Über alles. Was war, was ist und was werden mag.

Was mag wohl da oben sein?
Wie, Du weißt es nicht? Ich weiß es: irgendwo, ganz weit weg, gibt es einen kleinen Stern – so wie den unseren.
Und es gibt ein Meer.

Im Meer – eine Insel.

Auf diese Insel – sie wird einen ganz komischen Namen haben, vielleicht – Hiddensee?

Gibt es zwei Wesen, so wie wir. Sie liegen jetzt dort vor einer Glastür auf dem Boden, schauen in die Sterne und fragen sich: was mag wohl da oben sein?…

Und am nächsten Morgen,- Du bist noch nicht wirklich wach, aber durch die geschlossenen Augenlieder spürst Du – der  Raum ist Lichtüberflutet. Die Sonne ist wieder da und der Sturm war nur ein böser Traum. War es nicht so in der Kindheit, wo Du voller Vorfreude auf das Unbekannte aufwachtest?

Wo Du noch keine Angst vor Neuem hattest?

Ihr geht den Strand entlang, sanfte Wellen rollen auf den Sand auf und jede Welle flüstert ganz leise – es wird alles gut, es wird alles wieder gut.